Friedrich Ebert Stiftung Stipendium Dissertation Definition

Du würdest gerne promovieren, weißt aber nicht, wie du das finanzieren sollst? Mit einem Promotionsstipendium kannst du dich voll und ganz auf deine Doktorarbeit konzentrieren und bist nicht auf eine der wenigen Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter angewiesen. Übrigens: Die Chancen, ein solches Stipendium zu ergattern, sind gar nicht so schlecht, wie du vielleicht denkst.

Die verschiedenen Möglichkeiten des Promotionsstipendiums

Ein Vollstipendium ist sicher der Jackpot unter den Stipendien. Mit den durchschnittlich 1.500 Euro, die du dabei von den Stipendiengebern monatlich bekommst, bist du deine finanziellen Sorgen los und kannst dich deiner Promotion zu 100 Prozent widmen. "Normalerweise wird diese Rundumversorgung für ein bis zwei Jahre gewährt – immer mit der Option auf Verlängerung", weiß Dr. Mira Maier von der Stipendienplattform myStipendium.

Aber vielleicht hilft dir ja auch schon ein Druckkosten-, Kongress- oder Reisekostenzuschuss weiter? Die Andrea von Braun Stiftung beteiligt sich zum Beispiel an den Kosten für den Druck einer interdisziplinären Doktorarbeit, die Universität Lübeck unterstützt angehende Humanmediziner bei den Teilnahme an Tagungen und die Fulbright Kommission hilft bei Forschungsaufenthalten in den USA.

Themengebunden oder nicht?

Generell gibt es für alle Phasen der Promotion Fördermöglichkeiten – angefangen bei der Themenfindung, über den erfolgreichen Abschluss bis hin zum PostDoc. Die Angebote unterscheiden sich dabei hauptsächlich zwischen themengebundenen und nicht themengebundenen. Das heißt: Manche Förderer interessieren sich genau dafür, was du machst, und unterstützen nur Dissertationen, die zu ihrem Gebiet passen. Anderen wiederum ist das egal.

Mira Maier nennt ein sehr spezielles Beispiel: "Die Stadt Wesselburren vergibt drei Jahre lang 600 Euro im Monat an jemanden, der etwas über das Leben und Werk Friedrich Hebels schreibt." Ein bisschen unspezifischer, aber trotzdem auf gewisse Studienrichtungen fokussiert, sind die Angebote des Verbands der Chemischen Industrie oder das der Verwertungsgesellschaft WORT, das eine geplante Promotion im Bereich Urheberrecht fördert, um exemplarisch nur zwei zu nennen. 

Erfolgsaussichten besser als gedacht 

Wenn du nun denkst: "Alles schön und gut, aber ich hab eh keine Chance auf ein Stipendium!", solltest du auf die Erfahrung von Mira Maier vertrauen: "Besonders bei den Promotionsstipendien mit Themenschwerpunkt stehen die Chancen, dass es klappt, sehr gut, da die Bewerbungsrate viel niedriger ist", weiß die Gründerin und Geschäftsführerin von myStipendium.de. Und überhaupt: Ihr zufolge richteten sich etwa 20 Prozent aller Stipendien an Promovierende.

Von den insgesamt rund 2.300 Stipendien auf ihrem Portal sind also nach Adam Riese 460 grundsätzlich für Promovierende geeignet – wobei jedoch nicht alle von der Art und Ausrichtung her gleichermaßen für jeden infrage kommen.

Eine Umfrage unter 28.000 Nutzern des Stipendienportals hat zudem ergeben, dass fast 50 Prozent von ihnen tatsächlich ein Stipendium erhalten haben, nachdem sie dort danach gesucht haben. Zum Vergleich: Bei Bachelors waren es hingegen nur 16,7 Prozent. Und Mira Maier ergänzt: "Die 13 Begabtenförderungswerke veröffentlichen ab und zu ihre Erfolgschancen und da scheint mir die Wahrscheinlichkeit, ein Stipendium zu bekommen, sogar noch höher zu sein."

Die bekanntesten Promotionsstipendien

Diese Begabtenförderungswerke sind sicherlich auch erste Anlaufstelle für die Bewerbung um ein Stipendium für die Promotion. Bei ihnen wirst du hauptsächlich fündig, wenn du etwas Allgemeines, Breitgefächertes suchst. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung beispielsweise fördert grundsätzlich alle Studienrichtungen und definiert die Voraussetzungen wie "sehr guter Studienabschluss" und "gesellschaftliches Engagement" nicht genauer. Es gibt aber auch darunter Programme, die an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Beachte: Die Konkurrenz ist grundsätzlich größer als bei kleineren, eher unbekannten Stiftungen.


Liste der 13 Begabtenförderungswerke


Die Bewerbung fürs Stipendium

Du siehst: Es lohnt sich, sich direkt in die Recherche zu stürzen. Und zwar zu jeder Zeit, da die Bewerbungsfristen total verschieden sind. Trotzdem solltest du bedenken, dass du zu Beginn deiner Promotion noch deutlich mehr Möglichkeiten hast als mittendrin. Wobei es wiederum auch Stipendien ausschließlich für die Endphase gibt, die dafür gedacht sind, dir den Rücken in der stressigen Abschlussphase deiner Promotion freizuhalten.

Die Bewerbung ähnelt grundsätzlich der klassischen Bewerbung für einen Job. Im schriftlichen Teilkann es allerdings vorkommen, dass du zusätzlich einen ausformulierten oder teils sogar handschriftlichen Lebenslauf hinzufügen sollst. Auch Empfehlungsschreiben werden häufig verlangt.

Plane dafür also von Anfang an einen zeitlichen Puffer ein. Im mündlichen Teil erwarten dich unter Umständen neben dem klassischen Gespräch auch Gruppendiskussion oder Präsentationen.

Organisation

Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ist eine der größten deutschen politischen Stiftungen. Ihre Ziele sind Innovation und Fortschritt, aktive Demokratie sowie internationale Zusammenarbeit. Die FES orientiert sich an den Werten der sozialen Demokratie und steht der SPD nahe.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung existiert seit 1925. Ihre Gründung maßgeblich von dem ersten demokratisch gewählten deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert angeregt. Seitdem trägt die Stiftung den Namen des Mannes, der vom Handwerker in das höchste Staatsamt aufgestiegen ist.

Die FES ist vor allem in den Bereichen Politische Bildung, Forschung und Entwicklungsarbeit (im Ausland) tätig. Die Studienförderung ist nur ein Teil dieses wissenschaftlichen und politischen Aktivitäten. Sie soll besonders begabten und gleichzeitig gesellschaftspolitisch engagierten Studenten und Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit bieten während ihres Studiums materielle und ideelle Unterstützung zu erfahren.

Stipendien

Die Studienförderung des FES kennt zwei Programme: Grundförderung und Graduiertenförderung. Die Grundförderung betrifft ein Studium bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss sowie Master- und Aufbaustudiengänge. Die Graduiertenförderung betrifft ein Promotionsvorhaben. Die Abteilung Studienförderung der FES unterstützt hierbei sowohl deutsche bzw. inländische Studierende als auch insbesondere eine große Anzahl ausländischer Studierender und Promoventen.

Grundförderung inländischer Studierender

Auswahlverfahren

Online-Bewerbung unter https://www.fes.de/studienfoerderung/bewerbung/bewerbung/online-bewerbung. Bei der schriftlichen Bewerbung sind insbesonderezwei wissenschaftliche Gutachten (i.d.R. durch Hochschullehrer/Professoren) einzureichen sowie gesellschaftspolitisches Engagement nachzuweisen oder darzulegen.

Wird die schriftliche Bewerbung akzeptiert, folgen zwei Auswahlgespräche mit Vertrauensdozenten der FES. Diese finden nach Möglichkeit am Hochschulort des/r Bewerber/in statt. Der Ablauf der Gespräche ist sehr individuell. Sicherlich sind klare Vorstellungen von beruflichen und persönliche Zielen sowie ein gesellschaftliches Bewusstsein und Interesse hilfreich. Dabei sollten ideologische Kriterien keine Rolle spielen. Authentizität ist maßgeblich.

Schließlich entscheidet der Auswahlausschuss nach Prüfung des Antrages und der Materialien über die Aufnahme des neuen Stipendiaten.

Materielle Förderung

Stipendiaten, die einen Anspruch auf BAfög besitzen, bekommen von der FES einen monatlichen Betrag in der Höhe des BAfög-Satzes; ohne das Geld später zurückzahlen zu müssen. Außerdem erhält jeder Stipendiat monatlich einen Betrag von 150 Euro als sogenanntes Büchergeld. Die Verwendung des Büchergeldes steht jedem Stipendiaten frei. Es ist also trotz des Namens nicht ausschließlich für Studienliteratur zu verwenden.

Ideelle Förderung

Die ideelle Förderung durch die Stiftung umfasst Betreuung, stipendiatische Aktivitäten (z.B. Arbeitskreise, Zeitschriften) sowie insbesondere Seminare zu politischen, wissenschaftlichen und berufsqualifizierenden Themen. Außerdem werden Studienreisen ins Ausland angeboten. Die Seminarvorschläge werden in erster Linie von Stipendiaten eingereicht und ausgewählt. Zwar gibt es bei einigen Themen mehr Bewerber als Plätzen und eine Teilnahme ist nicht immer garantiert. Die Seminare sind jedoch so zahlreich, dass ein oder zwei Seminare im Jahr nicht nur möglich, sondern von seiten der Studienstiftung auch erwünscht sind.

Netzwerk

Mit ihre Online-Plattform für Stipendiaten unter www.fes-stip.de bietet die Stiftung eine Möglichkeit der einfachen Kontaktaufnahme mit Mit-Stipendiaten und ehemaligen Stipendiaten sowie Diskussionsforen, Mailinglisten und Praktikumsanfragen. Auch die Hochschulgruppe der Stipendiaten vor Ort dient dem Austausch und Kennenlernen fächergleicher oder fachfremder Mit-Stipendiaten.

Graduiertenförderung

Es müssen folgende Unterlagen zugeschickt werden:

  1. Begründung für die Bewerbung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung
  2. tabellarischer Lebenslauf inkl. politischem und/oder gesellschaftlichem Engagement
  3. Studienabschlusszeugnis
  4. Exposé
  5. ein wissenschaftliches Fachgutachten

Tipps zur Bewerbung (Graduiertenförderung)

Ad. 1) In der Begründung soll die Motivation des Bewerbers dargestellt werden. Die Leitfrage sind:

  • Wer bin ich?
  • Warum diese Stiftung?
  • Warum sollte grade ich von der FES gefördert werden?

Es gibt zwar keine Formvorschriften, aber mehr als eine Seite muss es nicht unbedingt sein.

Ad. 2) Hierzu gelten folgende Prinzipien: Ausführlichkeit, Lückenlosigkeit und Sauberkeit. Einer der wichtigsten der Lebenslaufpunkte ist das sog. politische oder gesellschaftliche Engagement (ehrenamtliche Arbeit bei Organisationen, NGOs, Vereinen, politisches Engagement: (hauptsächlich) Mitgliedschaft in einer Partei). Beide Formen des Engagements (gesellschaftlich oder politisch) werden als gleichwertig angesehen. Die Mitgliedschaft in einer politischen Partei wird als Ausdruck der persönlichen Interessenlage gewertet - sie ist jedoch kein Muss. In der Praxis sind ca. 1/3 der StipendiatInnen Parteimitglieder (nicht notwendigerweise in der SPD, auch Grüne sind nicht selten), ein weiteres Drittel ist politisch aktiv und das letzte Drittel anderweitig gesellschaftspolitisch engagiert. Wichtig: Empfehlungsschreiben helfen nicht. Sie werden bewusst dem Auswahlausschuss nie vorgelegt. Dessen Entscheidung ist unabhängig - der Draht zum Bundestagsabgeordneten oder die Ministerempfehlung laufen also ins Leere.

Ad. 4) Einer der schwierigsten Teile der Bewerbung. Im Exposé sollte in der Regel folgendes angesprochen werden:

  • Das Forschungsthema oder Forschungsgebiet,
  • die Fragestellung,
  • wissenschaftliche Methode, die bei der Bearbeitung des Themas angewendet wird,
  • persönliche Eignung für die Bearbeitung dieses Themas,
  • grobe Gliederung und Zeitplan,

Was den Umfang betrifft, sind unterschiedliche "Größen" vertretbar. Von 10 bis zu 40 Seiten (allerdings dürfte 40 schon die "oberste" Grenze sein) ist üblich.

Bewerbungsgespräche (Graduiertenförderung)

Nachdem die Unterlagen geprüft worden sind (Kriterien: Vollständigkeit, Eignung, ausreichendes Engagement, gute Leistungen und gute Prognose für die Dissertation) wird man zu 2 Gesprächen eingeladen.

Das erste Gespräch betrifft die wissenschaftliche Seite der Promotion. Während des Gesprächs wird "geprüft", ob der Bewerber das Promotionsthema "bewältigen" kann. Das zweite Gespräch betrifft hauptsächlich das gesellschaftliche oder politische Engagement des Bewerbers. Beide Gespräche dauern durchschnittlich bis zu einer Stunde.

Als Vorbereitung auf die Gespräche sei empfohlen, die letzten Ausgaben der ZEIT und die aktuelle Ausgabe einer guten Tageszeitung gelesen zu haben - schließlich ist eine politische Stiftung auch daran interessiert, ob der Kandidat politisches Interesse zeigt. Gern kommen also auch besonders im zweiten Gespräch Fragen, die darauf abzielen, diese Punkte beim Kandidaten abzuklopfen (a la 'was hielten Sie denn von einem deutschen Einsatz im Irak').

Weblinks

--Karolin.krocker (Grundförderung)
--Pawel.nalewajko (Graduiertenförderung)

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